Heavy Metal – Hart, härter, heterogen

Heavy Metal – als Königsklasse der gitarrenlastigen Musik blickt dieses Genre auf eine nahezu unvergleichbare Entwicklungsgeschichte zurück, die – aus der Perspektive der Gegenwart – in einer gigantischen musikalischen Vielfalt mit zahlreichen Subgenres mündete. Eine gewisse Vorstellung hat jeder Mensch, wenn er den Begriff „Heavy Metal“ hört. Neben den visuellen Assoziationen – langhaarige Träger von Jeanswesten fingern wild auf ihrer V-förmigen E-Gitarre herum, während sie dabei wilde Mimiken darbieten und den Kopf gleichzeitig rhythmisch und wie in Trance hin und her bewegen – haben sich längst Kultkompositionen etablieren können, von denen einige gar weit über die Szenegrenzen hinaus Resonanz erzeugen. So klingen im Ohr nicht selten einige unverkennbare Gitarrenriffs, für die Ewigkeit geschrieben von Szenegrößen wie AC/DC (die sich selbst allerdings überhaupt nicht als Heavy Metal-Band verstehen) oder Metallica.

Aber ganz ehrlich – wer hier gelandet ist, hört beim Klang der zwei Worte Heavy Metal wesentlich mehr Gedanken in der Rübe rattern. Denn es geht dabei um mehr als nur die Musik. Metal ist vor allem ein Lebensstil, dessen äußerliche Manifestationen sich über die Dekaden stets verändert haben, der im Kern aber ein ganz spezifisches Wertesystem umfasst. Werte lassen sich positiv oder negativ definieren – also über einen Imperativ (die Art und Weise, wie etwas sein soll) und über Negationen (die Art und Weise, wie etwas nicht ist). Versteht man nun die Subgenres des Heavy Metal als eigene Subkulturen, eröffnen sich plötzlich trotzdem teils sehr unterschiedliche Werte (man denke dabei nur an die radikale Kritik, die Künstler der sogenannten zweiten Welle des Black Metal am Death Metal übten).

Man kann damit durchaus zu dem etwas seltsamen, nichtsdestotrotz zutreffenden Schluss kommen, dass sich die Subkultur des Heavy Metal vor allem durch seine bemerkenswerte Heterogenität auszeichnet. Und diese wiederum stützt sich sicherlich zu einem nicht geringen Anteil auf die bereits erwähnte lange Geschichte des prägenden Musikgenres. Wie so oft ist auch beim Heavy Metal die Geschichte der Namensgebung unklar. Unstrittig hingegen ist, dass er als Musikrichtung vor allem sowohl dem Hard Rock als auch dem Blues Rock der 1960er und 70er Jahre entsprang. Und zwar nicht mit einem magischen „Bumm!“ – sondern als schleppender Prozess. So erfand Black Sabbath-Gitarrist Tony Iommi nach dem tragischen Verlust von zwei Fingerkuppen eine sehr spezifische Art des Gitarrenspiels, die dem Sound des Heavy Metal ebnen und prägen sollte. Andere Bands suchten gezielt nach MItteln und Wegen, die bis dato härteste Musik, den Hard Rock, noch härter klingen zu lassen. Thin Lizzy und Judas Priest beispielsweise stellten in diesem Zusammenhang fest, dass man mit zwei statt traditionell einer Leadgitarre auch gleich die doppelte Menge an Saitenzauberei produzieren kann – eine simple, aber wie sich später herausstellen sollte, stilprägende Idee.

Und wahrlich ist die Grätsche zwischen dem Rock des vergangenen Jahrtausends und dem, was heute unter Heavy Metal verstanden wird, recht weitreichend. Nicht zuletzt das Aufkommen von stark am Blues Rock orientierten Bands (The Devil’s Blood, Blues Pills, Uncle Acid And The Deadbeats, aber auch die jüngsten Alben von Opeth) in den vergangenen Jahren, bei dem einige Szeneredakteure bereits retrospektiv von einer „Welle“ sprechen, zeigt diesen Unterschied. Denn rezipiert werden diese Bands vor allem in der Metalszene und stehen nicht selten auch bei einschlägigen Metal-Labels unter Vertrag. Rock und Heavy Metal gehen in diesem Sinne also Hand in Hand.

Überwiegend um das, was Heavy Metal heute ist, soll es hier gehen. Im Fokus steht zwangsläufig die Musik, aber auch News aus der internationalen Szene sollen nicht zu kurz kommen – gefeiert wird hier eben jene Heterogenität, die genau die Musik ausmacht, die wir lieben – in allen ihren vielseitigen Facetten. Und ob wir nun einen negativen oder positiven Ansatz dabei verfolgen, Heavy Metal zu definieren – an der Musik selbst ändert das nichts.