die Geschichte des Schwermetalls

Vom Heavy Metal zum Heavy Metal – ein unvollständiger Überblick über die Geschichte des Schwermetalls

Leider schlüpfte Heavy Metal nicht eines Tages einfach aus einem Ei. Kein „Popp! Und fertig!“, sondern eine prozesshafte Entwicklung, ein Gebräu in einem Hexenkessel, dem nur Versatzstücke von Zutaten beigefügt wurden, von Zeit zu Zeit. In den 1960er und 70er Jahren erlebte die Welt eine explosionsartige Entwicklung neuer Musikgenres. Retrospektiv scheint es, als hätten vor allem die rasanten Entwicklungen im Bereich der Elektronik dazu geführt, dass sich sowohl instrumental und damit kompositorisch neue Möglichkeiten ergaben, zusätzlich beschleunigten neue Informationsmedien den inter- und intrakulturellen Austausch.

Nun, in jedem Fall mischten Formationen wie The Who, The Beatles, The Rolling Stones und später auch The Jimi Hendrix Experience die musikalische Welt ordentlich auf. Neben der überraschenden Schwere des Sounds schlich sich vor allem auch ein gesellschaftskritischer Unterton in die Musik ein. Sie war für viele Künstler Medium zur Formulierung von sozialen und politischen Missständen.

Die Tendenzen zum und Methoden zur Schaffung des schweren Sounds gepaart mit den kritischen Lyrics machten sich schließlich Black Sabbath zu Nutze. Zeitpunkt und Ort der Bandgründung sind hier ein wichtiges Merkmal: 1968 konnte man Birmingham wohl eine der produktivsten, ergo schmutzigsten Städte des Vereinigten Königreiches nennen. Das Leben in einer Industriestadt vor der ständigen Kulisse erbärmlicher Arbeits- und Wohnbedingungen formten den Aktionsrahmen des jungen Gespanns – und spiegelten sich in Instrumentierung und Songtexten wieder. Zeitlose Kultsongs wie „Paranoid“ und „Iron Man“ liefern Gitarrenarbeit, die fast schon maschinellem Stampfen ähnelt. Abgesehen vom eingangs erwähnten Fehlen eines exakten Geburtsmomentes des Heavy Metal kann man die ersten beiden Alben von Black Sabbath, erschienen jeweils 1970, durchaus als Richtfeste für den modernen Schwermetall bezeichnen.

Parallel von den Entwicklungen in Birmingham etablierte sich im ebenfalls englischen Hertford eine fünfköpfige Truppe namens Deep Purple. Mit ihrem 1972er Album „Machine Head“ präsentierten sie eine Klangwelt, die im Gegensatz zu Black Sabbaths – aus heutiger Sicht doomigen Sound – durch einen Fokus auf Gitarrenarbeit und Geschwindigkeit brillierte. Beide Bands erlebten nach kurzer Zeit großen kommerziellen Erfolg und eine dementsprechend rasante, auch internationale Verbreitung.

Wesentlich komplizierter wird es nun, wenn man sich die Subgenres ansieht, die sich bis zur Gegenwart aus und zeitgleich mit dem Heavy Metal entwickelt haben. Praktisch pyramidenförmig setzt sich diese Entwicklung fort, wenn man sie sich vor Augen führt.

Die frühe Phase des Heavy Metal, deren Ursprünge recht zweifelsfrei im Vereinigten Königreich zu finden sind, wird nicht umsonst New Wave Of British Heavy Metal (NWoBHM) genannt. Recht bald entsprang dieser wie bereits erwähnt kommerziell erfolgreichen und populären Strömung ein weiteres Subgenre. An der Westküste Amerikas fand sich eine Gruppe junger Leute zusammen, die gemeinsam die Band Metallica gründete. 1983 landeten sie mit dem Album „Kill ‚Em All“ einen Volltreffer – Thrash Metal hatte nun klare Definitionsgrenzen. Man bediente sich für das Gitarrenriffing beim Punkrock und mischte Geschwindigkeit, Exzessivität und Brutalität der NWoBHM unter. Gerade jüngere Heavy Metal Fans wurden schier magnetisch vom kompromisslosen und groben Sound des Genres angelockt. Insbesondere in den 1980er Jahren feierte Thrash Metal seine Blütezeit, erlebte Anfang des 21. Jahrhunderts ein kurzes Wiederaufleben im Neo-Thrash Metal (u.a. Evile, Warpath, Warbringer, Daysend, Avenger Of Blood) und brütet auch heute noch ein etwas ruhiger gewordenes Ei aus.

Auch die Suche nach immer mehr Brutalität und Härte verebbte nie. Für einige Fans schwermetallener Musik mündet diese allerdings schon im Grindcore. Möglicherweise legte die sozialkritische Wurzel des Heavy Metal vielen Subgenres einen Schnuller in die Wiege – immerhin zeugen die nie abklingenden Kommerz-Diskurse in der Metalszene von einem gewissen Maß an Reflexivität. Dass aus einigen dieser Wiegen eines Tages gar erwachsene Menschen kletterten, die zur Unterstreichung ihrer Ideologie gewordenen Vorstellungen von brachialem Metal und Gesellschaftsutopie und revisionistischer Romantik auch vor Gewalt nicht zurückschreckten, ist ein eigenes Thema, das mit „Black Metal“ überschrieben werden muss.